Mittwoch, 24. Dezember 2014

Lasst mal über Liebe reden

Weihnachten, dieses große Schreckensfest über die Liebe und so. Schrecklich zwingend, da man auf jeden Fall um sich liebende Menschen haben muss und einem von jeder Ecke eingetrichtert wird, dass man purer Müll ist, sei man allein und/oder einsam. Schrecklich, weil man nicht nur viel Liebe bekommen, sondern auch noch geben muss...ich persönlich wurde ja mit relativ großer Verwandtschaft gesegnet, insofern weiß ich nicht, ob ich genug für alle da habe...ich weiß nicht mal, ob ich genug für mich habe, aber dazu später.

Wie an Weihnachten/Ostern/andere obligatorische Feiertage, bzw. Geburtstage - ich muss lieben, ansonsten stimmt mit mir etwas nicht. Alles andere als glücklich aussehen ist Grund genug, um sofort dutzendfach angeschmachtet zu werden. Also wird geliebt, teils erzwungen auf meinem Gesicht abzulesen, da meine nüchterne Liebe keiner mitbekommen kann. Man muss dicker auftragen und es als Leuchtschild präsentieren, die Liebe muss blenden.

Meine Familie liebt mich, ich weiß das. Ich mag komisch sein und vor allem durch die Depression wie ein fehlerhaftes Modell funktionieren, aber all diese Leute lieben mich einfach. Erwarten tun sie nichts, es ist bedingungslos und ich hab mich vermutlich einfach daran gewöhnt und bin ein undankbarer Wichser. Kein tolles Gefühl, Gefühle produzieren zu müssen. Da fragt man sich schon öfters, ob man selbst je geliebt hat. Einfach nur so, ohne auch nur das Geringste zu erwarten, kopflos, nur mit dem Herzen. Ich weiß es nicht.

Ich habe nie "Ich liebe dich" zu irgendjemand gesagt, verliebt war ich vermutlich drei Mal und das war immer so ein Lotto-Spiel. Erstes Los war jemand, der meine Annäherungsversuche öffentlich für die Mitklässler machte und mir besonders "tolle Zeiten" in der Mittelstufe bescherte. Die Nächste war rückblickend nur eine Hülle, die sich viel zu doof mit mir fühlte. Last but not least war DIE Frau, alles schien zu passen...im Endeffekt war uns aber klar, dass wir ausgerechnet als Paar nicht auskommen. Ich weiß wohl nicht, was Liebe von einem fremden Menschen ist. Ich mein ja, ich hatte mal hier und da Freunde und wenn die wirklich Bock haben, bleiben sie auch länger, aber so wirklich als Mensch lieben tu ich meine beste Freundin, die mit mir durch Himmel und Hölle gegangen ist und aus irgendeinem Grund noch da ist, obwohl sie all meine Schwachstellen kennt. Vielleicht ist das ja Liebe, who knows.

By the way: Ich date seit kurzer Zeit jemand und ich weiß nicht, ob ich genug Liebe entwickeln kann, ich habe gar Angst, große Angst. Wenn nicht die, erneut auf die Fresse zu fliegen, dann garantiert die, einfach nicht genug geben zu können, da ich nicht weiß wie das geht. Ich werde es aber versuchen, denn mehr kann ich nicht tun. Als Schlusswort lasse ich einfach folgendes Zitat stehen:

"Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele, und niemand kommt, um sich daran zu wärmen."
- Vincent van Gogh

(unter anderem inspiriert von @meerisch, denn hey, ich bin vielleicht ein mieser Penner, aber ich bin ein fairer mieser Penner)

Samstag, 13. Dezember 2014

Von Menschen und Lichtschaltern

Yo, grad ist Late Night. Zu Hause. Am Schreiben. Business as usual.

Jedenfalls wollte ich heute mal was relativ Kurzes über etwas schreiben, was seit Jahren um meine Ohren gehauen wird: "Denk doch einfach positiv !" Jep, es ist alles so einfach, das ist es immer. Nur können Lichtschalter mit einer entsprechenden Antwort nicht umgehen.

Nein, ich meine nicht die normalen Lichtschalter - ich spreche natürlich von Menschen, die künstlich ihre Laune aufdrehen und um jeden Preis zeigen müssen, wie happy sie doch sind mit sich, dem Leben und generell der Welt. Diese Exemplare des homo sapiens sind immer die, die am Ende die Überraschten sind und einen mit ihrer Energie verschlimmbessern wollen. Nein, danke. Außerdem hab ich ja verminderte Lebensqualität und bin generell ein schlechterer Mensch dadurch.

Zugegeben: Meine miese Fratze passt ja auch nicht in die Happy-Wonderland-Regenbögen-aus-Ponyärschen-Welt dieser Menschen...und das muss sie auch nicht. Eigentlich. Was wäre, wenn die Miesmacher sich vereinigen würden und andere zwängen, ihre Laune der ihren anzupassen ? Eben. Solche Menschen, die nur negativ oder nur positiv sind, nehme ich nur als Lichtschalter war...und das will ich nicht sein.

Nie möchte ich Emotionen erzwingen, die schlichtweg nicht da sind...ich würde mich selbst noch mehr hassen und verabscheuen als sonst schon. Mensch sein ist für mich halt mehr als eine der beiden Extremen die ganze Zeit - Schalter gibt es schon in unserem Leben genug, ich plädiere für mehr Menschen.

P.S. : Das war recht kurz, der nächste Artikel wird dafür umso länger, dann geht es endlich um Liebe. Oder den Mangel an ihr.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Der Typ aus der Ecke

1000 Arten so einen Beitrag zu beginnen und alle klingen absolut dämlich. Von daher mal ein paar Beispiele vom typischen Smalltalk, den ich jahrelang genießen durfte.

"Warum guckst du so grimmig ?"

"Warum guckst du generell komisch ?"

"Warum hast du keinen Spaß ?"

"Warum hast du keine Freude am Leben ?"

Ich könnte ewig so weitermachen. Sozial unfähig, keinerlei Status, Außenseiter, Innereckler, mehr oder weniger unbedeutend. Man ist gut dafür da, wenn man ein paar Gags und Witze bringen kann, aber ansonsten war es das auch. Menschen, die man als "Freunde" bezeichnet hat, haben am Ende einem einfach zu viel Kraft, Nerven und vor allem Vertrauen gekostet - OK, den guten Glauben an die Menschen auch. Achja, auch sehr witzig über diesen verkackten Miesepeter zu lachen, der schwarz auf die Welt schaut. Jepjepjep.

Man will sich nie als Versager sehen. Jemand, der mal nicht eben den Freundeskreis hat, um hier und da einen draufzumachen; ich kann all die Aktivitäten dieser Art innerhalb der letzten Dekade mit einer einstelligen Zahl beziffern. Was die Frauen betrifft...da habe ich nicht einmal eine Zahl, aber darüber zu einem späteren Zeitpunkt. Alles außerahalb dieser zwei Sachen fühlt sich herrlich irrelevant an, aber irgendwie hänge ich zu sehr an dem Negativen.

Fangen wir aber von vorne an: Spätaussiedler; komische, mächtige und verquerte russische Sprache; viel Gelächter wegen dem Akzent und vor allem dem Vornamen; nicht eingegangen wegen ein paar anderen Russen und ein paar dummen Sachen - Mittelstufe: Mittlerweile die Rolle des netten und hilfsbereiten angenommen, der Rest kommt irgendwie zusammen; ich entdecke meine Rückzugsecke und bin da, wenn man mich braucht; für mich hat niemand Zeit und Mühe; mir egal, ich komme durch; ich entdecke Zeug wie Musik, Filme, Bücher, Games, soll mich ablenken und diese unsägliche Leere füllen  - Oberstufe: Alle wieder auf Grundschul-Niveau; Intrigen und man ist selbst mittendrin und auch wieder nicht; alle machen einen auf diese unsägliche Familie; meine Ecke wird immer leerer; ich bin Helfer; einsamer Wolf; wieder da zum Auffangen, aber wehe ich brauche mal Rückhalt; die Leere wurde zum schwarzen Loch, das alles Gute und Frohe in meinem Leben aufsaugt und nur die Finsternis zurücklässt; ich lerne endlich meine einzige dauerhafte Begleiterin, die Depression, mit dem Namen kennen - Abschlussklasse: Jemand neues unterhalb meines Ansehens; scheinbar leichtes Ziel; keiner hält zurück und es fehlt nicht mehr viel bis zur körperlichen Gewalt;allen ist es egal weil es einfach ist (sogar Lehrern); ich bin Moralapostel, Spielverderber; ich verstehe diesen Typen und mache mich für und mit ihm lächerlich, die anderen sollen einfach nur aufhören zu lachen; ich weiß dabei selbst nicht mehr wie man richtig lacht; die letzten verschwinden aus meiner Ecke wegen meiner "Bitterkeit"; ich hab mir alles verbaut mit der Gesellschaft und ich zweifle mehr an mir, meinem Leben und den Anderen denn je - Uni: Ganz tiefes Loch; alles einfach nur unerträglich grau und/oder schwarz; ich kenne niemand und niemand kennt mich; ich habe keinen Namen, kein Gesicht, keine Freude, keine Lust mehr; keinen Wert und beinahe auch kein Leben, mehrmals. Ich will oft einfach nicht mehr und ich weiß nicht...werde aus dem Inneren scheinbar auseinandergerissen, verbrenne und will nur noch zusammenbrechen und stundenlang heulen, aber das ist ja zu unmännlich und hey, ich muss funktionieren. Wenn nicht für mich selbst, dann für andere da draußen.

Seit letzter Woche versuche ich mich dagegenzustemmen. Ich muss mir tagtäglich die Maske des lockeren, ungezwungenen und dennoch seriösen und hilfsbereiten Typen aufsetzen, denn niemand interessiert mein Inneres. Ich versuche das mit den Menschen, aber ob es irgendwohin führt...das weiß ich nicht und das würde ich mir auch nicht spoilern lassen. Das Wichtigste: Ich versuche endlich von sich aus, all die Antworten auf die Fragen zu finden, die mich früher zu oft wach hielten und heute noch einen vollen Kopf bescheren. Keine Ahnung, ob das mit dem vollen Kopf und kaputtem Herzen so OK ist, sollte es nicht andersherum sein ? Was ist schon normal ?

Bin ich OK, wenn ich einfach mal instinktiv einer Menschengruppe ausweichen möchte ? Dass ich Panikattacken bekomme in so nem Gemenge ? Dass ich nach einer Konversation immer Angst habe, irgendwas Falsches gesagt zu haben ? Dass ich einfach gar keine Qualitäten in mir sehe und ständig dagegen ankämpfe, mir nicht die Schuld für all meine gefühlten Verluste über all die Jahre zu geben ? Dass ich soweit bin, dass ich sogar meine Depression nicht wirklich beseitigen möchte, weil sie das Einzige war, was ich hatte in meiner eigenen Ecke ? Ich könnte tausende dieser "dass"-Sätze formulieren und dennoch in eine Sackgasse kommen.

Übrigens: ich heiße Rudolf und ich bin der Typ aus der Ecke.