Samstag, 31. Januar 2015

Freundschaften in der Depression

Jau, da bin ich wieder. Am Ende meiner Gruppentherapie angelangt (darüber nächste Woche) und am Anfang meiner Einzelsitzungen plus Unistress plus Privatlebenstress plus generell Stress - wenn ich gerade Menschen ertrage und diese mich, dann ist das immer eine wahnsinnig irre Sache. Besonders viel denke ich dabei aber vor allem an die Mitmenschen, die mich "Freund" nennen. Jetzt nicht Freund im Sinne von Pultnachbar, Labornachbar oder sonst jemand, der mal eben aushilft - tatsächlich Leute, die meinen, Kontakt mit mir wäre wünschenswert und gemeinsame Zeit wäre irgendwo wertvoll. So ein Gedankengang hat mich schon eine sehr lange Zeit fasziniert.

Ich denke ich bin da nicht sonderlich originell, wenn ich sage, dass Depressionen scheiße sind. Rein oberflächlich und so. Aber in all den Jahren hab ich mir auch immer nicht nur gedacht, wie scheiße es mir geht, sondern den mir nahestehenden Leuten. Am besten wäre es vermutlich jemand von diesen nahestehenden Leuten diesen Beitrag schreiben zu lassen, aber es gibt da eh nur eine Freundin, die darüber am längsten weiß und die ich mir auch als Paradebeispiel nehmen werde.

Fast 3 Jahre alt ist diese Freundschaft, plus minus paar Monate. Sie wusste es nahezu von Anfang an...und blieb. Trotz der Entfernung, trotz verschiedener Weltsichten, trotz aller Gemütszustände...sie blieb. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie das aushält oder ein anderer Freund beispielsweise. Könnte man am Anfang noch irgendwie sagen "Ja, ich weiß ja, dass du so und so sein kannst, aber das bist ja nicht wirklich du" ist es mittlerweile "business as usual". Dass das Gegenüber sich dran gewöhnt hat, dass ich keinerlei Pärchenscheiße von mir geben kann oder wie geil die Party von Freitagabend war oder wie toll alles doch ist im Allgemeinen. Keinerlei Positives und stattdessen nur trübe Gedankengänge, die ich mir kaum selber antun kann, geschweige denn Freunden.

Ist es eigentlich möglich, eine Freundschaft zu erhalten, wenn man selbst mittlerweile so bitter, depressiv, endtraurig und scheinbar unrettbar ist ? Die meisten meiner Bekannten/Freunde wissen gar nichts von der Depression oder kriegen diese gar nicht erst mit - was mach ich aber beispielsweise mit der Freundin, die schon immer darüber wusste und so langsam absolut nachvollziehbar keinen richtigen Nerv mehr dafür übrig hat, ihr Leben durch meine Beteiligung schwärzen zu lassen ?

Ich hatte ja mal jemand anders erwähnt, die sich Anfang letzten Jahres von mir loslöste, weil ich zu bitter geworden bin. Weil es so einfacher ist. Wir beide waren zusammen krank; sie physisch und ich psychisch. Es ging scheinbar. Nun steht mir aber gegenüber eine eigentlich gesunde Person, die in einer komplett anderen Welt als ich zu leben scheint. Einer Welt, die für mich stets unerreichbar blieb und dies auch wahrscheinlich weiterhin tun wird. Und vermutlich bin ich da nicht allein mit dieser Vermutung.

Am Ende möchte ich nur noch eins anmerken: Ich schätze Menschen, die sich Mühe mit mir geben. Wenn sie nicht versuchen zu verstehen, warum ich so denke wie ich denke, dann dass sie wenigstens ein Ohr für mich haben. Vielleicht nicht immer, wann ich es will oder brauche, aber sie sind dennoch da und gehen nicht weg, sie machen es sich nicht einfach. Das werde ich von meiner Seite aus ebenfalls nicht. Wenn nicht für mich, dann eben für sie alle. Insofern ein riesiges Danke an jeden, der sich mal eben die Zeit und Mühe gibt das zu hören, was er eigentlich nicht hören will - es aber tut, weil es dem anderen womöglich hilft, dass ihm mal jemand zuhört und für ihn da ist.

Sonntag, 11. Januar 2015

Crazy Stupid 2014

Da ich mich wieder bei diesem Blog fangen will (und wohl gerade die richtigen Worte im Kopf habe), mache ich hier mal einen kleinen persönlichen Jahresrückblick von meinem 2014 und warum ich versuche, jeglichen Fick auf ein gutes 2015 zu geben.

Januar war schon mal ein solider Anfang, denn dann begann die Entfernung von jemand, den ich mal beste Freundin nannte. Fuck yeah, gib mir all die Probleme von dir, all deine kaputten Beziehungen, all deine Familienscheiße und ja, lass mich dir auch Zeug ausgeben - aber wehe ich komme mit meinem Depressionsmist...naja, im Januar war es noch angespannt, offiziell hat sie den Kontakt erst im Frühling abgebrochen. Ich war zu bitter geworden, gut zum Zuhören, aber kann nicht gerade mit den allertollsten Erfolgserlebnissen prahlen. Nutzloser und wertloser Abfall. Whatever.

Februar. Ein Mädel kommt in mein Leben, sie kannte ich noch vom Gymnasium und wir hatten eine etwas komplizierte Vergangenheit. Mir egal, ich war zu naiv, gab zweite Chance. Dann plötzlich auch kompletter Kontaktabbruch. Warum ? Darum. Das ist die Antwort, die ich auf so vieles in diesem Jahr anwenden könnte. Aber hey, ich war mal wieder ein guter und verständnisvoller Zuhörer, wenigstens scheine ich dafür gut zu sein. Gut, damit man mit mir kurz spielt und hinterher wegwerfen kann.

Der Frühling wurde kaum besser, denn ab da verlor ich nicht nur die angeblich beste Freundin, sondern auch den besten Freund. Ich war allein. Ich irrte in meinem Kopf herum. Alles finster, stockdunkel und kalt. Allein. Einsam. Ich denke wieder öfters daran, einen Schlussstrich zu ziehen, diesmal für das Leben.

Sommer. Wieder eine kurze Bekanntschaft. Wieder ist alles scheinbar OK, doch dann wieder Flucht per Kontaktabbruch. Ich stelle dumme Fragen, auf die ich keine Antworten bekomme. Mein Selbstbewusstein ist Limbo-Weltmeister und auch sonst bin verloren. Verloren in der Welt, verloren unter Menschen, verloren mit mir selbst. Ich will mich und andere langsam nicht mehr. Stehe vor einer Ziegelsteinmauer voller Fragen, deren Antworten ich nicht kenne oder einfach nicht verstehe. Es fehlt nicht viel bis zum Schluss.

August. Ich bekomme Besuch von einer guten Freundin vom anderen Ende Deutschlands. Es ist wie beim Ertrinken und man schnappt endlich frische Luft. Sie ist einfach nur eine Freundin und behandelt mich wie einen Menschen. Irgendwie holt sie mich ganz alleine aus mir raus, sie zeigt mir, was Freundschaft ist. So reale. So wie ich sie bisher nur in unzähligen Filmen und Serien kenne, nie im Leben. Ich kann den Wert dieser halben Woche nicht in passenden Worten aufwiegen, außer: Es ist vermutlich die beste halbe Woche meines Lebens. Als sie wieder wegfährt, zieht sich alles in mir zusammen. Es liegt Endgültigkeit in der Luft. Na danke schön Erfahrung.

Herbst. Ich kann langsam nicht mehr. Immer öfter Zusammenbrüche und Kopfschmerzen. Meine Depression treibt mich immer öfter in die Ecke, aus der ich nicht entkommen kann. All die wirklich schlimmen Gedanken kommen wieder öfter vor. Nach meinem Geburtstag ziehe ich die absolute Notbremse und trete einen Neuanfang an. Bald soll meine Therapie beginnen, vielleicht wird es dann besser. Ich lerne ein paar neue Leute kennen und muss bisher nicht mit negativen Konsequenzen rechnen. Auch so eine Erfahrungs-Sache.

Dezember: Ein Mädel kommt in mein Leben. So ungefähr mein Typ schätze ich, nur sehr still, aber fuck, ich regel das schon. Trotz so ziemlichen allen offensichtlichen Sympathiezeichen und einen Steinwurf von einer ernsthaften Beziehung entfernt, huscht sie wieder raus aus meinem Leben, aber das erfahre ich erst Anfang Januar im nächsten Jahr. Dezember darf ich noch hoffen und gut drauf sein, wenn man mich drauf anspricht. Ich muss Jobs hinterherlaufen, denn...genau, darum. Einfach nur darum. Ist eh die beste Antwort auf so ziemlich alles in diesem Jahr.

Was erhoffe ich mir vom Rest-2015 nach etwas mehr als 11 Tagen ? Endlich mal Freundschaften, bei denen ich mir sicher sein kann, dass diese auch wirklich Freundschaften sind ? Dass ich das, was meine jetztige beste Freundin für mich tat, irgendwie zurückgeben kann, so vielleicht mal ne Million oder lieber doch ne Trilliarde ? Mal wieder blind ein Mädel in mein Leben treten lassen, ihr mal einen oder zwei gute Abende schenken und dann kann sie sich doch wieder sicher sein, dass sie an so jemand wie mir niemals auch nur ansatzweise interessiert sein wird ?

Es ist lächerlich, aber ich will mal Stabilität und Normalität im Leben. Kein Bullshit, der mich wieder an meine Grenzen treibt. Das mit der Therapie durchziehen, um zu verstehen, warum ich andere nicht verstehe. Will ich glücklich werden ? Es muss nicht gleich die Hollywood-Version sein, die örtliche Theater-Vorführung-Variante reicht mir persönlich auch schon. So fürs Erste.