Samstag, 28. Februar 2015

Mein kleines Experiment

In all den Jahren des bedingten Single-Daseins und der klaren, rationalen Entscheidung, Mutter Natur ihre Entscheidung nun mal nicht so übel zu nehmen, hab ich mich selbst besonders nach dem Januar-Zwischenfall dazu entschieden, mich in den Online-Markt zu schmeißen. Natürlich mit den Erwartungen auf Handbremse, mit dem einzigen dezenten Bild von mir (abseits dem auf meinem Stundentenausweis) und den bestimmten Hintergedanken, dies wie ein Experiment zu gestalten.

1 Mann, 1 Monat, 6 Plattformen - und ein zu erwartendes Ergebnis. Einerseits weil ich sowieso so wenig von mir denke wie es von einem Menschen möglich ist und andererseits dank den Plattformen. Aber alles der Reihe nach.
Bevor ich es vergesse: Es sind 2 Seiten und 4 Apps. Die Seiten brauchen beide zahlreiche Fragen beantwortet und man bekommt zahlreiche Vorschläge serviert und die Apps brauchen nur das Nötigste (Bild, Alter, Geschlecht, E-Mail); nur Tinder brauchte einen Facebook-Account, den ich auch prompt erstellte und den sofort auf privat stellte. Meine kurzen Notizen je nach Plattform und mit allem drum und dran:

Elitepartner.de: Ahja, für "Akademiker und Singles mit Niveau". Da bin ich ja als Student geradezu prädestiniert für sowas ! Anmeldung, Fragen, erste Vorschläge. Gut. Erstes Problem: Nur eine Nachricht als kostenloser Nutzer - für mehr muss man monatliches Abo abschließen. Dabei ist die eine Nachricht sogar keine persönliche Nachricht, sondern ein vorgefertigter, extrem vager Gruß. Mit anderen Worten: richtiger Kontakt für Nutzer wie mich unmöglich. Hatte 2 Interessentinnen. Anders als ich hatten diese Damen keine Fotos...dies kommt bei dieser Plattform recht häufig vor.

Parship.de: Parship ist so ziemlich die gleiche Geschichte wie Elitepartner, außer dass man bei der einzigen freien Nachricht wirklich das schreiben darf, was man möchte. Ich hatte sogar das "Glück", dass ich um den Valentinstag rum 3 kostenlose Premium-Tage bekam, wodurch ich Massen an Frauen anschrieb, aber nur mit einer mehr Nachrichten gewechselt habe; kam raus, dass sie bei ihrem Profil getrickst hat und man keine gemeinsame Basis hat. Hatte insgesamt 1 richtige Interessentin (eine andere Frau). Hier sind die Fotos unscharf und erst wenn das Gegenüber die Freigabe dafür erteilt, dann sieht man klar. Hier sei zumindest in meinem Fall die recht hohe Anzahl an Vorschlägen hervorzuheben - an besten Tagen hatte ich bis zu 200 mögliche Kontakte zum Anschreiben.

Zoosk: Nur das Nötigste, die Vorschläge stammen alle aus der Umgebung. Null Interessenten oder Chatanfragen oder sonst was. Wer nicht Premium sein möchte, kann Münzen kaufen und sich damit ins Rampenlicht reinhuren und gegenüber mehr Nutzern verfügbar werden. Jep.

Badoo: Eigentlich ist dies eine Freundschaftsplattform, bzw. eine, wo man "nette Leute kennenlernen kann". Wir alle wissen aber eh, wofür solche Apps genutzt werden. Ist genau das gleiche, als ob man bei Snapchat noch naive und unschuldige Gedanken entwickeln würde (zugegeben, ich hab eher an Chatroulette dabei gedacht als an Snapchat, beim letzteren fischen die Entwickler die Perverslinge noch raus). Bei Badoo gab es auch rein gar nichts. Dabei hab ich nicht mal exklusive Hobbys wie Nashörner jagen oder Ähnliches. Liegt wohl alles an der Visage.

Lovoo: Dies ist eigentlich die populärste Dating-App im Android Store und sie war auch bei mir die populärste, weil erfolgreichste; ich hatte in einem Monat 61 Besucherinnen und 14 andere Frauen haben an meinem Profil sogar Gefallen gefunden. Dumm ist nur, dass Lovoo mit einem Credit-System arbeitet - man wird also auch recht schnell dazu gezwungen, VIP zu werden, um mehr Credits zu bekommen. Um ein Profil "aufzulösen", braucht man 20 Credits, täglich gibt es aber nur 5 für das Einloggen und das wars. OK, man könnte extra aus der App heraus andere Apps laden und somit Credits dazuverdienen, was in meinem Fall aber nie funktionierte. Ich brauchte also 4 Tage, nur um eine einzige Frau zu identifizieren und selbst das brachte im Endeffekt nichts, aber dazu komme ich weiter unten. Nachrichtentechnisch gibt es den Chat und da kann man theoretisch endlos schreiben, aber nur der Reihe nach, sprich: Ich schreibe eine Nachricht und muss dann warten, wenn die Frau zurückschreibt. Dies ist übrigens nie passiert.

Tinder: Die heiß diskutierte Tinder-App, die in ach so vielen anderen Blogs und Artikeln aller möglichen Zeitungen und Zeitschriften von Männern und vor allem von Frauen getestet wurde. Als ein weiterer Mann kann ich nur sagen, dass die ganzen Sprüche mit der Äußerlichkeit wohl stimmen müssen, denn mich fand entweder keine einzige Frau auch nur ansatzweise attraktiv/ansprechend, oder es waren allesamt Frauen, die ich nicht so doll fand (weiß leider nicht mehr, wie genau der Fund-Mechanismus funktionierte). Jedenfalls gab es hier ebenfalls null bei den Ergebnissen.

Was soll ich insgesamt zu meinem recht kleinen Experiment sagen ? Ich weiß auch, dass ich ein paar Plattformen mehr hätte einspannen können, aber von denen würde ich das gleiche erwarten wie von den zwangsbezahlten - Auswahl vorzeigen und dann bei der genauen Selektion die Bezahlschranke runterklappen lassen. So nicht ! Bleibt einem Tropf wie mir wohl doch nichts anderes übrig, als resigniert aufzugeben und die Fakten so zu akzeptieren wie sie nunmal sind. Falls hier tatsächlich Frauen mitlesen, dann will ich hier statt einem sentimentalem Zusammenbruch an Worten lieber ein paar Fragen stellen (natürlich nur, wenn ihr auch diese Plattformen nutzt):

1. Warum ein Bild hochladen, auf dem ihr nicht allein drauf seid, sondern mit mindestens einer weiteren (gleichaltrigen) Frau ? Woher zum Kuckuck soll ich wissen, wer von euch ihr jetzt seid ? Ist einfach verwirrend sowas (sehr häufig bei Tinder)

2. Warum um Himmels willen zeigt ihr zuerst Interesse durch das Liken meines Profils (bzw. ähnlich wirkenden Funktionen) und schreckt dann doch zurück/antwortet nicht, wenn man euch anschreibt ? Ist ja das gute Recht jedes Menschen keinen Kontakt zu wollen, aber warum ihn dann unterschwellig den Wunsch danach signalisieren ?

3. Hier könnte ich die Frage stellen, warum man tricksen muss, nur um dann hinterher doch noch die Wahrheit zu offenbaren, aber das kann ich irgendwo nachvollziehen. Ist trotzdem scheiße für den anderen, wenn er getäuscht wird.

Schlussendlich weiß ich nicht, ob ich dieses Experiment fortsetzen werde, denn während Lovoo zumindest am Anfang etwas das Ego streicheln konnte durch die ganzen Besucherinnen, so sind alle anderen Plattformen eigentlich nur etwas wert, wenn man für sie bezahlt oder wenn man gut genug für Tinder aussieht. Hoffentlich war dieser Artikel irgendwo informativ für Leute, die entweder diese Plattformen nutzen wollen oder sich generell überlegen, mit Online-Dating anzufangen.

Das war es auch schon meinerseits.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Etwas über Gruppentherapie

Wie angedeutet wollte ich hier meine Eindrücke zu meiner Gruppentherapie niederschreiben und ja, ich bewerte Erfolge oder Misserfolge anders als manch anderer, also ACHTUNG.

Zuallererst möchte ich anmerken, dass es nicht meine Idee war, sondern die meiner Therapeutin. Schon nach einer Sitzung konnte sie mich offenbar so gut einschätzen, dass sie mir zu Gruppensitzungen riet; von Dezember bis jetzt Anfang Februar ging es jeden Mittwochmorgen in aller Frühe ans andere Ende der Stadt in einen Raum mit weiteren bemitleidenswerten Gestalten wie mir selbst. Leider alles Männer, weswegen bestimmte Aspekte wohl ausgeblendet wurden, aber immerhin alles Menschen, die sich alterstechnisch relativ nah an mir hielten, der Älteste dürfte knapp über 30 sein. Bis auf die Dunkelhaarigkeit hatten wir nur höchstwahrscheinlich die Verwirrung und Unlust im Kopf über diese Besuche.

Am Anfang fühlte es sich an als ob man als Kindergartenkind behandelt worden würde. Niemand mag es, offensichtlich von Fremden bevormundet zu werden und dann auch noch die ganzen Schlaumeiereien - nett zu anderen sein, zuvorkommend, aufgeschlossen. Ganz was Neues. War ich eigentlich immer und es hat mir nur Schmerz und Enttäuschung eingebracht. Außerdem ging es mir nie darum rauszufinden, wie man mit anderen Leuten spricht - das Faken einer nüchternen und sachlichen Unterhaltung hab ich mehr oder weniger perfektioniert. Es stottert höchstens dann, wenn es persönlich wird, aber abgesehen davon wirke ich glücklicherweise so abwesend wie der Rest. Was ich eher wissen wollte, war warum man trotz aller Etiketten zum Trotz seinen Kopf fast blutig schlagen könnte vor Verzweiflung und dem ständigen Gefühl, stets draußen zu sein.

Es wurde ungefähr ab der Mitte unterhaltsam, wo die ganzen Rollenspiele losgingen. Mit Situationen, die ich im Alltag nie habe, wie fremde Leute nach nem Ort oder so fragen. Warum auch, schließlich weiß ich ungefähr, welche Reaktionen mich erwarten und da kann ich das auch vorher selbst nachschauen. Ich weiß auch nicht, wie antiquiert diese Beispiele sind, aber Fremde unterhalten sich nun mal nicht im Bus oder Zug, Punkt. OK, je älter die Personen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Ausnahme, aber das kommt so selten vor, dass es irgendwie in die Regel implementiert werden muss. Mich störte an dem Ganzen aber vor allem eins: Trotz einer Alibi-Relevanz und einer möglichen Verknüpfung meinerseits des Ganzen mit einem Nutzen wusste ich, dass all diese Rollenspiele eben das sind, nämlich keine echten Situationen. Beispiel: Ich werde im echten Leben nicht einfach irgendwen ansprechen, den ich interessant finde - nicht wirklich, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll, sondern eher weil ich nun mal schüchterner Natur bin und in meinem Kopf diese Aufeinandertreffen öfter verloren habe als Team Rocket gegenüber Ash und seinen Freunden.

Gegen Ende hin gab es mehr Diskussionen und ansonsten wieder nur Rollenspiele. Besonders im Kopf ist mir ein Treffen geblieben, an dem ich den Punkt brachte, dass "richtige" Kommunikation nicht unbedingt verbal sein muss. Selten sah ich zwei Experten so geflasht von dem, was ich sagte. Vielleicht war es zu offensichtlich oder so...na gut, ich bin ja eigentlich jemand, der seine Probleme versucht verbal zu lösen. Was ist aber, wenn ein Freund scheiß traurig ist und eigentlich nur möchte, dass ich ihm zuhöre und selber meine Fresse halte ? Eben. Da helfen keine vordefinierten Sätze, keine wahnsinnig feinen Umgangsformen und ähnliches Zeug. Schätze dass man mir sagen kann, wie ich wann zu reden habe, aber wohl nicht, wann ich wie zu fühlen habe. Interessant.

Die Gruppe selbst war eigentlich bis zum Ende voll mit eigentlich netten Typen, von denen ich bis zum Ende genauso wenig wusste wie sie von mir. Uns verbindete halt die soziale Inkompetenz schätze ich, ansonsten könnten wir kaum anders sein in so ziemlich allen Belangen. Es gab bis zum Schluss öfters Unlust an Rollenspielen teilzunehmen und als sie stattfanden, gab sich der Rest die allergrößte Mühe, nicht lachend umzufallen. Nicht aus Respektlosigkeit, sondern weil es halt irgendwie merkwürdig ist, die Realität mit Leuten zu simulieren, bei denen man sich jeden möglichen Fehler erlauben darf. Leben ist aber nicht so. Im Leben kann man sich eigentlich kaum solche Fehler leisten. Wurdest hier abgeblitzt: Und wenn schon, er hat es dir schwer gemacht, aber deine Formulierungen waren toll und so. Wurdest im echten Leben abgeblitzt: Versagt du Verlierer und nun sieh zu, dass du zurück in deine dunkle und abgeschiedene Ecke findest. Erdböden tun sich ja nicht von nichts auf in diesen Gegenden, also fällt das als Möglichkeit weg.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Ja, ich hatte irgendwo meinen Spaß und ich verstehe vielleicht einfach nur nicht ganz den tieferen Sinn hinter meinem Besuch dort, aber im Endeffekt sind das nur Simulationen in meinem Kopf gewesen. Simulationen dieser Art hab ich im Kopf reichlich und das für jedes nur erdenkliche Thema. Dumm nur, dass das Leben nicht bloß eine Simulation ist, sondern...naja, echt eben. Keine zweite Chance bei rein gar nichts, kein Ereignis kann so einfach hingebogen werden, zumindest nicht in meinem Leben. Entweder Sachen passieren oder sie tun es eben nicht.

Da ich meinen Einzeltermin erst in zwei Wochen haben werde, gibt es nächste Woche mal etwas zu einem ganz anderen Thema. Ansonsten habe ich gerade ein kleines Experiment am Laufen, um meine These zu überprüfen und die erste Auswertung davon dürft ihr bereits im März lesen. Geht über ein großes Thema denk ich und ist vermutlich komplizierter als ich es anfangs dachte. Bis zum nächsten Mal und danke.