Mittwoch, 4. Februar 2015

Etwas über Gruppentherapie

Wie angedeutet wollte ich hier meine Eindrücke zu meiner Gruppentherapie niederschreiben und ja, ich bewerte Erfolge oder Misserfolge anders als manch anderer, also ACHTUNG.

Zuallererst möchte ich anmerken, dass es nicht meine Idee war, sondern die meiner Therapeutin. Schon nach einer Sitzung konnte sie mich offenbar so gut einschätzen, dass sie mir zu Gruppensitzungen riet; von Dezember bis jetzt Anfang Februar ging es jeden Mittwochmorgen in aller Frühe ans andere Ende der Stadt in einen Raum mit weiteren bemitleidenswerten Gestalten wie mir selbst. Leider alles Männer, weswegen bestimmte Aspekte wohl ausgeblendet wurden, aber immerhin alles Menschen, die sich alterstechnisch relativ nah an mir hielten, der Älteste dürfte knapp über 30 sein. Bis auf die Dunkelhaarigkeit hatten wir nur höchstwahrscheinlich die Verwirrung und Unlust im Kopf über diese Besuche.

Am Anfang fühlte es sich an als ob man als Kindergartenkind behandelt worden würde. Niemand mag es, offensichtlich von Fremden bevormundet zu werden und dann auch noch die ganzen Schlaumeiereien - nett zu anderen sein, zuvorkommend, aufgeschlossen. Ganz was Neues. War ich eigentlich immer und es hat mir nur Schmerz und Enttäuschung eingebracht. Außerdem ging es mir nie darum rauszufinden, wie man mit anderen Leuten spricht - das Faken einer nüchternen und sachlichen Unterhaltung hab ich mehr oder weniger perfektioniert. Es stottert höchstens dann, wenn es persönlich wird, aber abgesehen davon wirke ich glücklicherweise so abwesend wie der Rest. Was ich eher wissen wollte, war warum man trotz aller Etiketten zum Trotz seinen Kopf fast blutig schlagen könnte vor Verzweiflung und dem ständigen Gefühl, stets draußen zu sein.

Es wurde ungefähr ab der Mitte unterhaltsam, wo die ganzen Rollenspiele losgingen. Mit Situationen, die ich im Alltag nie habe, wie fremde Leute nach nem Ort oder so fragen. Warum auch, schließlich weiß ich ungefähr, welche Reaktionen mich erwarten und da kann ich das auch vorher selbst nachschauen. Ich weiß auch nicht, wie antiquiert diese Beispiele sind, aber Fremde unterhalten sich nun mal nicht im Bus oder Zug, Punkt. OK, je älter die Personen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Ausnahme, aber das kommt so selten vor, dass es irgendwie in die Regel implementiert werden muss. Mich störte an dem Ganzen aber vor allem eins: Trotz einer Alibi-Relevanz und einer möglichen Verknüpfung meinerseits des Ganzen mit einem Nutzen wusste ich, dass all diese Rollenspiele eben das sind, nämlich keine echten Situationen. Beispiel: Ich werde im echten Leben nicht einfach irgendwen ansprechen, den ich interessant finde - nicht wirklich, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll, sondern eher weil ich nun mal schüchterner Natur bin und in meinem Kopf diese Aufeinandertreffen öfter verloren habe als Team Rocket gegenüber Ash und seinen Freunden.

Gegen Ende hin gab es mehr Diskussionen und ansonsten wieder nur Rollenspiele. Besonders im Kopf ist mir ein Treffen geblieben, an dem ich den Punkt brachte, dass "richtige" Kommunikation nicht unbedingt verbal sein muss. Selten sah ich zwei Experten so geflasht von dem, was ich sagte. Vielleicht war es zu offensichtlich oder so...na gut, ich bin ja eigentlich jemand, der seine Probleme versucht verbal zu lösen. Was ist aber, wenn ein Freund scheiß traurig ist und eigentlich nur möchte, dass ich ihm zuhöre und selber meine Fresse halte ? Eben. Da helfen keine vordefinierten Sätze, keine wahnsinnig feinen Umgangsformen und ähnliches Zeug. Schätze dass man mir sagen kann, wie ich wann zu reden habe, aber wohl nicht, wann ich wie zu fühlen habe. Interessant.

Die Gruppe selbst war eigentlich bis zum Ende voll mit eigentlich netten Typen, von denen ich bis zum Ende genauso wenig wusste wie sie von mir. Uns verbindete halt die soziale Inkompetenz schätze ich, ansonsten könnten wir kaum anders sein in so ziemlich allen Belangen. Es gab bis zum Schluss öfters Unlust an Rollenspielen teilzunehmen und als sie stattfanden, gab sich der Rest die allergrößte Mühe, nicht lachend umzufallen. Nicht aus Respektlosigkeit, sondern weil es halt irgendwie merkwürdig ist, die Realität mit Leuten zu simulieren, bei denen man sich jeden möglichen Fehler erlauben darf. Leben ist aber nicht so. Im Leben kann man sich eigentlich kaum solche Fehler leisten. Wurdest hier abgeblitzt: Und wenn schon, er hat es dir schwer gemacht, aber deine Formulierungen waren toll und so. Wurdest im echten Leben abgeblitzt: Versagt du Verlierer und nun sieh zu, dass du zurück in deine dunkle und abgeschiedene Ecke findest. Erdböden tun sich ja nicht von nichts auf in diesen Gegenden, also fällt das als Möglichkeit weg.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Ja, ich hatte irgendwo meinen Spaß und ich verstehe vielleicht einfach nur nicht ganz den tieferen Sinn hinter meinem Besuch dort, aber im Endeffekt sind das nur Simulationen in meinem Kopf gewesen. Simulationen dieser Art hab ich im Kopf reichlich und das für jedes nur erdenkliche Thema. Dumm nur, dass das Leben nicht bloß eine Simulation ist, sondern...naja, echt eben. Keine zweite Chance bei rein gar nichts, kein Ereignis kann so einfach hingebogen werden, zumindest nicht in meinem Leben. Entweder Sachen passieren oder sie tun es eben nicht.

Da ich meinen Einzeltermin erst in zwei Wochen haben werde, gibt es nächste Woche mal etwas zu einem ganz anderen Thema. Ansonsten habe ich gerade ein kleines Experiment am Laufen, um meine These zu überprüfen und die erste Auswertung davon dürft ihr bereits im März lesen. Geht über ein großes Thema denk ich und ist vermutlich komplizierter als ich es anfangs dachte. Bis zum nächsten Mal und danke.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen