Kennt ihr die Show "Dexter" ? Die eine mit dem genialen Michael C. Hall in der Rolle eines Forensikers in Miami, der nebenbei Verbrecher zerhackt ? Genau die. Bin kaum bei der Hälfte der Serie und hab es geschafft, mir das Ende nicht spoilern zu lassen, was in der heutigen Zeit des Internets nicht gerade einfach ist. Jedenfalls spricht Dexter öfters von einem "dunklen Begleiter", seinem Drang nach Mord, den er dank dem Kodex seines Stiefvaters (nahezu) ausschließlich gegen Verbrecher einsetzt. Sobald er erwähnt wird, spielt melancholisch-nachdenkliche Musik und man fühlt sich dem entsprechend. Wie schlage ich jetzt wohl eine Brücke zu meiner Depression ?
Sehr einfach - ich hab meine Depression seitdem genauso getauft wie Dexter seine Mordlust. Wenngleich ich nicht ernsthaft Mordfantasien habe, nur kleine Rachefantasien (dazu in einem anderen Beitrag mehr), so holt meine Depression das Beste und das Schlimmste aus mir heraus - ich werde viel nachdenklicher, ruhiger/leidenschaftlicher (keine Ahnung wie), kalkulierter, ehrlicher oder auch emotionsloser, verletzlicher, kleiner mit Hut, suizidanfälliger. Ich hab seit ich auf eine weiterführende Schule kam schon immer einen viel dunkleren Teil in mir besessen; nach all den Jahren ist er nur immer weniger entfernt von mir geworden, während ich immer bitterer und zynischer wurde. Wenn man sozial nicht gerade der Beste ist, so hat man immer noch sich. Selbstgespräche waren früher häufiger und heute häufen sich die Debatten im Kopf über viele Themen. Zu viele. Ein ständiger Krieg mit sich selbst, der am besten mit totaler Selbstliebe und Selbstaufgabe zugleich endet. Es paralysiert.
Ich kenne Leute die das Positive an meiner Depression nicht verstehen, mir sagen: "Rudolf, du brauchst keine Depressionen um überlegt zu sein oder viel nachzudenken oder was auch immer für Eigenschaften du ihr zudichtest". Mag sein. Ich schließe niemals Möglichkeiten für immer aus; ich handle recht selten in Absolutismen. Und dennoch, es ist so als ob die Depression mir "half", den Großteil, wenn nicht die gesamte Pubertät zu überstehen. Ich fand Gefallen daran, mich innerlich zu zerfressen und zu zerstören, während die Depression die Außenwelt für mich zugänglicher machte. Es war wie eine Flucht mit sadomasochistischem Hintergrund, denn das süße Gift der Depression schmeckt halt süßer als die bittere Wahrheit, dass Leute immer wieder aus dem eigenen Leben treten und sich nicht mal verabschieden. Ich hasse sowas und versuche daher niemals selbst möglichst lautlos zu gehen - nicht, dass ich dann den größten Knall verursachen möchte, aber das andere Extrem finde ich feige.
Die Depression mag den Selbstwert nicht gerade heben, aber sie senkt für einen den Gegenwert auch zu nem Teil. Da draußen in der Welt, egal ob ich es mit Kunden oder Komillitonen zu tun habe, sie sind alles zufällige Variablen für mich, keinerlei Konstanten und ich hab mich daran gewöhnt, mich damit abgefunden. Ja, es gibt immer wieder Menschen von draußen, die einem den gegenteiligen Eindruck vermitteln möchten und im seltensten Fall für ne längere Zeit bleiben und im besten sogar kurzzeitig meinen dunklen Begleiter ruhen lassen, aber ganz weg kriegen tun sie ihn alle nie. Er ist immer im Hintergrund und lauert, wartend auf den nächsten Moment in dem er gebraucht wird. Aber er darf nur mir weh tun und niemand anderem.
In gewisser Weise ruft er aus mir den damaligen 13-jährigen Jungen hervor, der stark enttäuscht davon war, dass seine Erziehung und sein Wissen ihn bei Menschen nicht weiterbrachten, nur weil er einen witzigen Namen und einen Hauch von Akzent hatte. Eine Dekade später hat sich nichts dran geändert, höchstens der Akzent ist jetzt kaum zu hören. Erste-Welt-Probleme wie diese sind recht lächerlich, wenn Menschen tagtäglich hungern und sonst wie noch leiden. Aber das Herunterspielen einer Depression gehört auch zu ihr, so irgendwie. Eine abgebrochene Therapie später frage ich mir immer noch Löcher in das Hirn, anstatt diese durch Kugeln zu verursachen, damit wäre mir ja auch mies gedient.
Eine der größten Fragen bleibt für mich immer noch was mit dem dunklen Begleiter passiert, sollte ich wie durch ein Wunder viele kleine soziale Kästchen mit "JA" ankreuzen: Bleibt er, taucht er unter oder verschwindet er ganz ? Bin ich dann innerlich leer ? Geht dann nicht ein Stück dessen, das mich zu dem machte was ich bin ? Und wie immer kenne ich die Antwort auf keine und mehr solcher Fragen, die mir hin und wieder Kopfschmerzen bereiten. Selbstreflexion ist immer spaßig wie man liest. Und bis ich die Antworten auf diese und viele mehr Fragen finde, lasse ich mich weiterhin mit dem dunklen Begleiter ein. Er war schließlich eine der stabilsten Konstanten meines Lebens.
Sehr einfach - ich hab meine Depression seitdem genauso getauft wie Dexter seine Mordlust. Wenngleich ich nicht ernsthaft Mordfantasien habe, nur kleine Rachefantasien (dazu in einem anderen Beitrag mehr), so holt meine Depression das Beste und das Schlimmste aus mir heraus - ich werde viel nachdenklicher, ruhiger/leidenschaftlicher (keine Ahnung wie), kalkulierter, ehrlicher oder auch emotionsloser, verletzlicher, kleiner mit Hut, suizidanfälliger. Ich hab seit ich auf eine weiterführende Schule kam schon immer einen viel dunkleren Teil in mir besessen; nach all den Jahren ist er nur immer weniger entfernt von mir geworden, während ich immer bitterer und zynischer wurde. Wenn man sozial nicht gerade der Beste ist, so hat man immer noch sich. Selbstgespräche waren früher häufiger und heute häufen sich die Debatten im Kopf über viele Themen. Zu viele. Ein ständiger Krieg mit sich selbst, der am besten mit totaler Selbstliebe und Selbstaufgabe zugleich endet. Es paralysiert.
Ich kenne Leute die das Positive an meiner Depression nicht verstehen, mir sagen: "Rudolf, du brauchst keine Depressionen um überlegt zu sein oder viel nachzudenken oder was auch immer für Eigenschaften du ihr zudichtest". Mag sein. Ich schließe niemals Möglichkeiten für immer aus; ich handle recht selten in Absolutismen. Und dennoch, es ist so als ob die Depression mir "half", den Großteil, wenn nicht die gesamte Pubertät zu überstehen. Ich fand Gefallen daran, mich innerlich zu zerfressen und zu zerstören, während die Depression die Außenwelt für mich zugänglicher machte. Es war wie eine Flucht mit sadomasochistischem Hintergrund, denn das süße Gift der Depression schmeckt halt süßer als die bittere Wahrheit, dass Leute immer wieder aus dem eigenen Leben treten und sich nicht mal verabschieden. Ich hasse sowas und versuche daher niemals selbst möglichst lautlos zu gehen - nicht, dass ich dann den größten Knall verursachen möchte, aber das andere Extrem finde ich feige.
Die Depression mag den Selbstwert nicht gerade heben, aber sie senkt für einen den Gegenwert auch zu nem Teil. Da draußen in der Welt, egal ob ich es mit Kunden oder Komillitonen zu tun habe, sie sind alles zufällige Variablen für mich, keinerlei Konstanten und ich hab mich daran gewöhnt, mich damit abgefunden. Ja, es gibt immer wieder Menschen von draußen, die einem den gegenteiligen Eindruck vermitteln möchten und im seltensten Fall für ne längere Zeit bleiben und im besten sogar kurzzeitig meinen dunklen Begleiter ruhen lassen, aber ganz weg kriegen tun sie ihn alle nie. Er ist immer im Hintergrund und lauert, wartend auf den nächsten Moment in dem er gebraucht wird. Aber er darf nur mir weh tun und niemand anderem.
In gewisser Weise ruft er aus mir den damaligen 13-jährigen Jungen hervor, der stark enttäuscht davon war, dass seine Erziehung und sein Wissen ihn bei Menschen nicht weiterbrachten, nur weil er einen witzigen Namen und einen Hauch von Akzent hatte. Eine Dekade später hat sich nichts dran geändert, höchstens der Akzent ist jetzt kaum zu hören. Erste-Welt-Probleme wie diese sind recht lächerlich, wenn Menschen tagtäglich hungern und sonst wie noch leiden. Aber das Herunterspielen einer Depression gehört auch zu ihr, so irgendwie. Eine abgebrochene Therapie später frage ich mir immer noch Löcher in das Hirn, anstatt diese durch Kugeln zu verursachen, damit wäre mir ja auch mies gedient.
Eine der größten Fragen bleibt für mich immer noch was mit dem dunklen Begleiter passiert, sollte ich wie durch ein Wunder viele kleine soziale Kästchen mit "JA" ankreuzen: Bleibt er, taucht er unter oder verschwindet er ganz ? Bin ich dann innerlich leer ? Geht dann nicht ein Stück dessen, das mich zu dem machte was ich bin ? Und wie immer kenne ich die Antwort auf keine und mehr solcher Fragen, die mir hin und wieder Kopfschmerzen bereiten. Selbstreflexion ist immer spaßig wie man liest. Und bis ich die Antworten auf diese und viele mehr Fragen finde, lasse ich mich weiterhin mit dem dunklen Begleiter ein. Er war schließlich eine der stabilsten Konstanten meines Lebens.
Deine Denkweise hat nur einen Haken! Du sagst dein dunkler Begleiter darf nur dir weh tun dabei tut er nicht nur dir weh sondern auch denen die dich schätzen und lieben. Auch wenn es nicht viele sind, es tut Ihnen weh wenn es dir nicht gut geht.
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